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Europas Leitbörsen schließen nach China-Zollreaktion tiefrot

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Euro-Stoxx-50 rutscht 4,60 Prozent ab
©APA/APA/AFP/TOLGA AKMEN
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Die europäischen Leitbörsen haben am Freitag erneut mit tiefroten Vorzeichen geschlossen und ihre Verluste nach der Ankündigung von chinesischen Gegenzöllen am Nachmittag noch einmal ausgeweitet. Demnach verhängt China als Reaktion auf das Zollpaket von US-Präsident Donald Trump ebenfalls weitere Aufschläge in Höhe von 34 Prozent auf Waren aus den USA, die ab dem 10. April greifen sollen.

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Zudem würden Exportkontrollen für sieben Seltene Erden eingeführt. Weiters hat Peking elf US-Unternehmen auf eine schwarze Liste gesetzt, welche es den betroffenen Firmen de facto unmöglich macht, weiter Handel in China oder mit chinesischen Unternehmen zu betreiben. "Spätestens heute hat der nächste Handelskrieg begonnen. Und an den Börsen flüchten die Anleger in Scharen", schreibt Christian Henke vom Broker IG.

Die Anleger befürchten, dass das gewaltige Zollpaket des US-Präsidenten die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte."Wir erwarten, dass der von den USA verkündete Zollschock weitreichende negative Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft und alle Länder der EU haben wird. Auf Ebene der Branchen sind vor allem der Maschinenbau-, Pharma- und Automobilsektor in Europa besonders exponiert. Vorerst ist die Pharmabranche von US-Zöllen jedoch ausgenommen, was aufgrund der wesentlichen Bedeutung für die EU wenigstens eine gute Nachricht ist", schreiben die Experten der Erste Group.

Zuletzt berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Trump allerdings auch für diesen Bereich Pläne hat. "Ich denke, dass die Pharmazölle in einem Ausmaß eingeführt werden, wie man es noch nie zuvor gesehen hat", sagte Trump vor Reportern an Bord der Air Force One laut Reuters.

Der Euro-Stoxx-50 schloss um 4,60 Prozent schwächer auf 4.878,31 Punkten und verbuchte damit ein Wochenminus von 8,5 Prozent. Der deutsche DAX beendete die Sitzung um 4,95 Prozent tiefer auf 20.641,72 Zählern. Der britische FTSE-100 verlor 4,95 Prozent auf 8.054,98 Einheiten. Auf Wochensicht ging es in Frankfurt um 8,1 Prozent und in London um 7 Prozent nach unten.

Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG sprach von einem "Schwarzen Freitag" an den Märkten: "Die Ankündigung neuer Zölle durch Präsident Trump hat das Marktvertrauen massiv erschüttert." Lori Calvasina, die US-Chefstrategin der kanadischen Investmentbank RBC, spürt inzwischen regelrechte Wachstumsangst an der Wall Street - so wie in den Jahren 2010, 2011, 2015 bis 2016 und 2018. Auch die US-Börsen zeigten sich am Freitag erneut mit kräftigen Kurseinbußen.

Frische US-Arbeitsmarktdaten traten in den Hintergrund: Die US-Arbeitslosenquote ist im März überraschend weiter gestiegen. Allerdings schuf die weltgrößte Volkswirtschaft mehr Arbeitsplätze als erwartet. Die Stundenlöhne legten wie prognostiziert zu.

Auch die Experten der Commerzbank attestieren dem US-Jobmarkt im März, vor den massiven Zollerhöhungen durch die US-Regierung, einen robusten Zustand. "In den kommenden Monaten dürften sich aber mehr und mehr die negativen Wirkungen der Politik Trumps zeigen. Angesichts steigender Risiken eines verschärften Handelskonflikts und der einbrechenden Stimmung in der Wirtschaft werden sich die Unternehmen mit Neueinstellungen zurückhalten", meinen die Experten.

Mit Blick auf das Branchentableau in Europa wiesen wie bereits am Vortag Bankwerte die größten Verluste auf. Hier belasteten fallende Marktzinsen, da Marktteilnehmer damit rechnen, dass die Notenbanken bei einer schwächelnden Weltwirtschaft mit Zinssenkungen gegensteuern müssen.

Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks sackte 8,4 Prozent hinab und radierte so seine Kursgewinne der vergangenen zwei Monate aus. Branchengrößen wie die Banco Santander, Unicredit, BBVA, Societe Generale und Deutsche Bank rasselten jeweils zwischen 8,8 und 10,5 Prozent hinab.

Ebenfalls tiefrot schlossen zyklische Sektoren wie Grundstoffe, Reisewerte und Öl- und Gastitel.

A pedestrian walks past the logo for the London Stock Exchange Group outside the stock exchange in London on December 29, 2020. The London stock market soared on December 29 as investors gave their initial verdict on Britain's Brexit deal with the EU, while eurozone equities also rose on upbeat US stimulus news, with Frankfurt extending its record breaking run. (Photo by Tolga Akmen / AFP)

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