PODIUM. Oliver Holle diskutiert am Tech Summit in Wien, wie sich die Risikokapital-Landschaft in CEE verbessern lässt.
©trend / Lukas IlgnerDie Arbeitstage von Oliver Holle sind eng getaktet und vielfach virtuell. Mit seiner ruhigen Art schafft der Speedinvest-CEO eine konstruktive Arbeitsatmosphäre bis spät in den Abend.
DER ARBEITSTAG von Oliver Holle beginnt an diesem sonnigen Dezemberdienstag etwas anders als geplant. Ein wichtiger britischer Investor hat sich kurzfristig in Wien angekündigt und Holle will ihn noch vor seinem Auftritt auf dem Danube Tech Summit im Café Schwarzenberg treffen. Dass er sich dann doch ein paar Minuten verspätet, entschuldigt der Speedinvest-CEO mit "familienlogistischen Gründen" und seinem für ihn typischen verschmitzten Lächeln.
Stuart Chapman von Molten Ventures nimmt es gelassen, schließlich kennt man einander von zahlreichen Co-Investments. Die verbleibende Zeit reicht für ein kurzes Update, und dann muss Holle zum Tech Summit in der IV aufbrechen, wo er mit anderen Experten die Möglichkeiten diskutiert, wie sich die Venture-Capital-Landschaft in CEE stärken lässt.
Die zwei Redner, die vor ihm dran sind, geben ihm Zeit, kurz das Thema zu reflektieren. Dann greift er zum Mikrofon - und kommt gleich zur Sache: Mit 'Danube Region' habe man eine schöne Marke geschaffen, viel wichtiger sei es aber, ein grenzüberschreitendes starkes Netzwerk zwischen den Start-up-und Venture-Capital-Szenen der einzelnen Länder zu etablieren, sagt er.
Speedinvest habe in den vergangenen fünf Jahren weniger in der Region investiert, weil das Momentum in Paris und London einfach größer gewesen sei. Das ist weit entfernt von einem Lobgesang auf die Region. Holle ist dafür bekannt, Kritik offen zu äußern, dies aber stets auf eine freundliche Art. Die Überheblichkeit, die erfolgreiche VCs teilweise an den Tag legen, ist ihm fremd.
Dass Holle das CEE-Event besucht, liegt auch an den Gesprächen, die er in den Pausen führen kann, etwa mit Hubert Cottogni, der für den Europäischen Investitionsfonds und damit für den größten Speedinvest-Geldgeber tätig war. Zwischendurch wirft der CEO immer wieder einen Blick aufs Handy, der Tag ist eng getaktet. Mittags hat er ein Update mit seiner rechten Hand Cedric Goffeau, das er gleichzeitig zu einem hastigen Mittagessen nutzt.
Sushi-Lunch und Gespräch finden, wie auch nahezu alle weiteren an diesem Tag, in einer der holzvertäfelten Meetingkabinen des Büros in der Wiener Praterstraße statt. Speedinvest sei mittlerweile so international unterwegs, dass die meisten Gespräche über Video-Calls abgewickelt werden, erzählt Holle.
Rund 30 Minuten ist für jedes Update angesetzt. Auf das mit der für Healthtech zuständigen Partnerin Andrea Zitna in London, folgt ein Kennenlernen mit einem Energie-Start-up in Eindhoven, dann hört er einer in München ansässigen Vermögensverwalterin zu, die potenzielle Investoren vermitteln möchte, und im Anschluss findet das virtuelle Meeting mit dem über Europa verteilten Fundraising-Team statt.
Holle geht dabei mit hoher Konzentration und auffallend großer Ruhe durch den Meeting-Marathon. Selbst nicht ganz so wichtige Details wie die Gästeliste für den Kaffeesiederball diskutiert er mit der zuständigen Kollegin detailliert, ohne ungeduldig zu werden.
Mittlerweile ist es Abend geworden, und bevor noch die zwei von Speedinvest finanzierten Start-ups, die Kärntner Streaming-Plattform Bitmovin und das Wiener Healthtech Flinn, im Office vorbeischauen, arbeitet Holle an seinem unscheinbaren Arbeitsplatz mitten im Großraumbüro.
Auch das passt zu Holle, dem Statussymbole fremd sind. Später muss er dann noch die Mailflut abarbeiten. Das macht er aber wie so oft von zu Hause, wo auch noch weitere "familienlogistische Dinge" auf ihn warten: Er muss noch Familienhund Coco zum Tierarzt bringen.
Der Artikel ist der trend. edition+ Ausgabe vom 22.12.2023 entnommen.