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Fachkräftemangel: Nach der Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte wurden vergangenes Jahr deutlich mehr Karten ausgestellt. Im Jahr 2024 waren es 9.741 RWR-Karten - ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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Der Fachkräftemangel bleibt eine zentrale Herausforderung für die österreichische Wirtschaft. Deshalb setzt das Wirtschaftsministerium neben Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen verstärkt auf qualifizierte Zuwanderung.
„Der hohe Fachkräftebedarf ist weiterhin eine der größten Herausforderungen für heimische Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, und er wird sich mit dem nächsten wirtschaftlichen Aufschwung weiter erhöhen“, so Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP).
Die Rot-Weiß-Rot-Karte war in den jüngst gescheiterten Verhandlungen zwischen FPÖ und ÖVP Streitthema gewesen. Während die ÖVP einen weiteren Ausbau für sinnvoll hielt und etwa eine vereinfachte RWR-Karte for touristische Stammsaisonniers forderten, legten sich die Freiheitlichen quer und forderten ein „Zurückfahren der Kontingente der Rot-Weiß-Rot-Karte auf den Stand von 2019", wie aus den Anfang Februar geleakten Verhandlungsprotokollen hervor geht. Worauf sich die Koalitionäre ÖVP und SPÖ in dieser Frage einigen werden, ist noch offen.
Kocher, der im Herbst an die Spitze der Österreichischen Nationalbank wechselt, war in seiner Amtszeit aktiv, das Instrument zu vereinfachen. Um den Anerkennungsprozess für ausländische Qualifikationen zu erleichtern, wurde im Herbst 2024 das „Pre-Check“-Register für die Philippinen eingeführt. Dieses System soll die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte in Mangelberufen beschleunigen. Derzeit sind 102 philippinische Qualifikationen im Register erfasst, weitere sollen folgen. Neben den Philippinen gehören auch Albanien, Brasilien, Indonesien und der Kosovo zu den Fokusländern für die gezielte Anwerbung von Fachkräften.
Pflegeausbildungen um 16 Prozent gestiegen
Neben der Zuwanderungsstrategie setzt die Regierung weiterhin auf die Hebung des inländischen Potenzials an Fachkräften. 2024 wurden rund 269.000 Menschen durch AMS-Programme weiterqualifiziert, zudem stieg die Zahl der Pflegeausbildungen um 16 Prozent. „Ohne diese Maßnahmen wäre die Knappheit an Arbeitskräften in Bereichen wie dem Gesundheitswesen oder dem Tourismus noch viel stärker ausgeprägt“, sagte Kocher.
Für die Arbeitsmarktintegration von Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten stehen heuer 75 Mio. Euro zusätzlich zur Verfügung. Besonders wichtig für den österreichischen Arbeitsmarkt sind auch die EU- und EWR-Bürgerinnen und -bürger. Die Anzahl der Arbeitnehmer aus diesen Ländern hat sich in den letzten zehn Jahren auf 605.977 fast verdoppelt.