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„Wir brauchen lokale Wertschöpfung durch die Energiewende“

In Kooperation mit ERNST & YOUNG.
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Aktualisiert
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5 min

©EY/POINT OF VIEW, EY/CHRISTINA HAEUSLER
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Sprecher-Automation-CEO ERWIN RAFFEINER, Sieger in der Kategorie „Innovation & Hightech“ beim Wettbewerb EY ENTRE PRENEUR OF THE YEAR, und MARION RANINGER, EY, über die Chancen der Energiewende und die Hürden durch falsche Standort- und Industriepolitik.

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750 Mitarbeiter, 16 Standorte in sieben Ländern: Wie geht es mit der Erfolgsstory von Sprecher Automation weiter? Wie profi tieren Unternehmen von der Auszeichnung beim Wettbewerb EY Entrepreneur Of The Year?

ERWIN RAFFEINER

Wir sind ein führendes Unternehmen in der Digitalisierung von Stromnetzen und hatten in den vergangenen vier Jahren 150 Prozent Wachstum. Wir werden unseren auf Zukunftsfähigkeit in Österreich getrimmten Wachstumskurs konsequent weiterführen. Damit stellen wir sicher, dass die Produktion und unser spezielles Know-how in Österreich erhalten bleiben. Weil wir bisher als „Hidden Champion“ galten, freut uns die zusätzliche Sichtbarkeit durch die Auszeichnung besonders – und hilft auch bei der Mitarbeitersuche.

MARION RANINGER

Unser Ziel mit dem Wettbewerb ist, Unternehmerpersönlichkeiten vor den Vorhang zu holen und das Unternehmertum in Österreich zu stärken, denn es gibt sehr viele, die spannende Erfolgstorys erzählen können. Gerade bei eigentümergeführten Unternehmen wie Sprecher Automation liegt es in der DNA, langfristig zu denken und für kommende Generationen ein nachhaltiges Wachstum zu schaffen.

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Die Energiewende geht langsam voran, Investitionen hinken nach. Was lässt sich dagegen unternehmen?

ERWIN RAFFEINER

Dass die Transformation des Energiesystems essenziell ist, darüber gibt es keine Diskussion. Wir sind mit unserem Produktportfolio in der kritischen Strominfrastruktur tätig und damit ein wirtschaftlicher Gewinner der Energiewende. Dennoch sehe ich einen akuten öffentlichen Handlungsbedarf, damit niemand zum Verlierer wird! In Österreich ist die Energiewende wie auch in Deutschland leider unglücklich aufgesetzt. Es gibt keinen Businessplan, elementare Parameter werden nicht beachtet, und Aussagen zur volkswirtschaftlichen Leistbarkeit fehlen. Damit sind wir im Blindflfug, und es gibt keine Investitionssicherheit für die Unternehmen, die die Energiewende umsetzen müssen. Wenn die notwendigen Technologien und Produkte dazu aus dem Ausland kommen, wird aus der Abhängigkeit von Öl und Gas einfach eine neue. Unser Steuergeld sollte nicht Arbeitsplätze im Ausland erzeugen: Wir brauchen lokale Wertschöpfung durch die Energiewende. Die Ziele müssen daher nach ökonomischen, ethischen und sozialen Kriterien ausgerichtet werden, losgelöst von ideologischer Borniertheit.

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Sprecher Automation ist international tätig. Wie beurteilen Sie den Wirtschaftsstandort Österreich im Vergleich? Warum leidet hier die Industrie?

ERWIN RAFFEINER

Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde liegen in Österreich bei 46,1 Euro – in Ungarn bei 13,6 und in China bei sechs bis zehn Euro. Die hohen Arbeitskosten infolge der enormen Personalkostensteigerungen und der hohen Abgabenquote belasten die Unternehmen und führen zu einem Arbeitsplatz- und Know-how-Verlust. Hier besteht akuter Handlungsbedarf.

MARION RANINGER

Wir hören ähnliche Aussagen täglich von Unternehmen, mit denen wir im Austausch sind. Doch nicht alle deklarieren sich wie Sprecher Automation klar zur Produktion in Österreich. Bei der Standortpolitik ist es fünf nach zwölf: Wenn internationale Konzerne statt in Österreich im Ausland investieren, hat das langfristig negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort.

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Was sollte die Politik dagegen tun?

ERWIN RAFFEINER

Ein Treiber der Problematik ist der Green Deal der EU mit einem riesigen Bürokratierucksack – siehe Lieferkettengesetz. Hier besteht Nachbesserungsbedarf. Ich ho  e, dass die Alarmglocken laut genug läuten, damit die wirtschaftliche Realität in der Politik ankommt und sie Maßnahmen setzt, um den Standort abzusichern.

MARION RANINGER

Ja, wir brauchen rasch bessere Rahmenbedingungen. Denn ansonsten ist der Wohlstand künftiger Generationen in Gefahr.

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