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Northvolt: Europas Zukunftshoffnung geht pleite

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Der Northvolt-Gründer Paul Carlsson (rechts) mit dem schwedischen König Carl Gustaf bei einer Preisverleihung in Stockholm

©IMAGO / TT
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Die schwedische Batterienfirma Northvolt meldet Insolvenz an. Die US- und Deutschland-Töchter sind davon vorerst nicht betroffen. Deutschlands Wirtschaftsminister hofft auf einen Investor für ein geplantes Werk.

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Das Ziel einer eigenständigen europäischen Batterieproduktion rückt in immer weitere Ferne: Nach einer monatelangen Hängepartie hat der schwedische Hersteller Northvolt in seinem Heimatland Insolvenz angemeldet. „Das Unternehmen war nicht in der Lage, die notwendigen finanziellen Voraussetzungen für eine Fortführung des Geschäfts in seiner jetzigen Form zu schaffen“, teilte Northvolt am Mittwoch mit.

Der Insolvenzantrag sei „die einzig gangbare Lösung“. Ein vom Gericht bestellter Treuhänder werde nun die Auflösung des wichtigsten europäischen Elektroautobatterie-Anbieters überwachen.

Werk in Deutschland in der Schwebe

Die Deutschland- und die Nordamerika-Tochter hätten allerdings keinen Insolvenzantrag gestellt, betonte Northvolt. Über deren Zukunft werde der Sachwalter in Absprache mit den Gläubigern entscheiden. Deutschlands Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich optimistisch, dass ein Investor für das geplante Werk in Heide gefunden werde. Hierfür stellt der deutsche Bund Staatshilfen im Gesamtvolumen von 900 Millionen Euro zur Verfügung. Die Batteriezellen-Montage soll dort im kommenden Jahr anlaufen.

Im vergangenen November hatte die angeschlagene Firma Gläubigerschutz nach US-Recht beantragt. Den im Rahmen dieses Verfahrens veröffentlichten Dokumenten zufolge sitzt Northvolt auf einem 8 Mrd. Dollar (7,3 Mrd. Euro) großen Schuldenberg. Die Suche nach neuen Investoren blieb bislang erfolglos. Die Northvolt-Insolvenz ist eine der größten in der Geschichte Schwedens und die schlagzeilenträchtigste seit dem Ende des Autobauers Saab vor mehr als zehn Jahren. Der Verwaltungsratsvorsitzende von Northvolt äußerte die Hoffnung, dass der Geschäftsbetrieb des schwedischen Werks aufrechterhalten werden könne. Die Entscheidung darüber liege allerdings beim Insolvenzverwalter.

Die größten Northvolt-Eigner sind der deutsche Autokonzern Volkswagen mit einem Anteil von 21 Prozent und die US-Investmentbank Goldman Sachs mit 19 Prozent. Laut dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht der VW-Gruppe wurden die Restbuchwerte vollständig wertberichtigt. Zudem heißt es, aus der Abwertung habe sich im Geschäftsjahr 2024 „insgesamt ein nicht zahlungswirksamer Aufwand in Höhe von 661 Mio. Euro ergeben".

Northvolt wollte europäische Abhängigkeit von China reduzieren

Northvolt war 2016 mit dem Anspruch gestartet, die Abhängigkeit europäischer Autobauer von chinesischen Batterie-Anbietern wie CATL oder BYD zu reduzieren. Nach Daten der Internationalen Energieagentur sind 85 Prozent der Batteriezellen-Herstellung in der Volksrepublik beheimatet.

Das schwedische Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten kämpfte jedoch von Beginn an mit technischen Problemen. Aus diesem Grund hatte BMW im vergangenen Jahr einen milliardenschweren Auftrag storniert. Einem Medienbericht zufolge waren zu hohe Ausschussquoten der Grund hierfür. Außerdem macht Northvolt der schleppende Absatz von Elektroautos in Europa zu schaffen. Vor rund zwei Wochen hatte die Europäische Union (EU) Pläne für eine stärkere Förderung der heimischen Batterieproduktion in Aussicht gestellt.

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