
Die Rettung der BayWa, Hälfte-Eigentümerin des Lagerhauskonzerns RWA, entwickelt sich zum Fass ohne Boden für den Raiffeisensektor Österreich.
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Es war eine tragende Säule des Rettungsplans – doch jetzt ist der Versuch des schwer unter Druck stehenden deutschen Lagerhauskonzerns BayWa geplatzt, die Mehrheit an seiner verlustträchtigen Tochter für erneuerbare Energien namens BayWa r. e. dem Schweizer Miteigentümer EIP zu verkaufen. Der Deal hätte die Bilanz durch Entkonsolidierung entlastet und dringend notwendige Liquidität gebracht.
Als Alternative, so die Mitteilung des börsennotierten Unternehmens, sollen Banken und die zwei Haupteigentümer erneut Finanzmittel bereitstellen. Das sind einerseits die bayerischen Raiffeisengenossenschaften (33,8 Prozent), andererseits aber auch der Raiffeisensektor in Österreich, der 28,3 Prozent hält. Dieser Anteil war Teil eines Deals aus dem Jahr 2007, als sich die Deutschen an der Raiffeisen Ware Austria (RWA) beteiligten. In Summe muss die BayWa nun 435 Millionen Euro lukrieren, heißt es. Ein Viertel oder sogar ein Drittel davon könnte auf Österreich entfallen.
Die Bayern rutschten nach einer allzu ehrgeizigen globalen Expansion, nach dem Anstieg der Zinsen sowie durch Schwierigkeiten im Projektgeschäft mit Windrädern und Solaranlagen tief ins Minus. Unter den ersten drei Quartalen 2024 steht ein Vorsteuerverlust von 592,2 Millionen Euro bei einem Umsatz von 16,2 Milliarden. Schon die bisherige Rettung vor einer drohenden Pleite kostete den österreichischen Gesellschafter im Herbst 2024 beachtliche Summen: durch eine Kapitalaufstockung bei der BayWa von in Summe 150 Millionen Euro (gemeinsam mit bayerischen Genossenschaften) und durch den Rückkauf der Hälfteanteile an der RWA um 175 Millionen, auch wenn das Closing dieses Deals noch aussteht. Davor unterstützte man BayWa auch mit zweistelligen Millionenkrediten und Getreidekäufen.
Nun will Raiffeisen Österreich die allzu enge Verbindung lösen, um nicht in den Strudel gerissen zu werden. Das stellt sich aber nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich zunehmend als schwierig heraus. So wird die gesamte IT der RWA von Bayern aus gemanagt. Um die Trennung abzuwickeln, wechselte Ex-RWA-Chef Reinhard Wolf in den dortigen Vorstand. In Österreich übernahm zu Jahresbeginn Johannes Schuster das Ruder. Er wollte zu den aktuellen Entwicklungen keine Stellungnahme abgeben.