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Wie ein Aprilscherz über Wein Furore machte

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Der Winzerin Dorli Muhr gelang mit einem Aprilscherz eine Diskussion zur Exportzukunft heimischer Weine.

©ANNA STÖCHER
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Die Agentur Wine+Partners begann den 1. April mit einer Meldung über den plötzlichen Boom australischen Weins in den USA - und lenkte damit die Aufmerksamkeit auf Trumps Zollkriege und die Folgen für die österreichische Weinwirtschaft.

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Spaß und Ernst, Satire und Realität sind seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Jänner noch schwerer unterscheidbar als davor. So sorgte am 1. April eine frühmorgendliche Aussendung der Agentur Wine+Partners für Stirnrunzeln, wonach österreichischer Wein den drohenden Trump-Zöllen von 200 Prozent dadurch entgehe, dass „Austria“ auf „Australia“ umetikettiert werde.

Kann das stimmen? Immerhin wurden in der Story Spitzensommeliers und der Geschäftsführer von Österreich Wein Marketing, Chris Yorke, zitiert. Nur wer bis zum Ende der Meldung scrollte, konnte das Ganze zweifelsfrei als Aprilscherz enttarnen. Als Quelle wurde „APA – April Presse Agentur“ angegeben.

„Ich habe viele Anrufe von Kunden erhalten, die es erst geglaubt und dann herzhaft gelacht haben", so Agenturinhaberin Dorli Muhr. Die Winzerin lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Thema, das die österreichische Weinwirtschaft derzeit in Atem hält: drohende Zölle in Höhe von 200 Prozent auf Weinimporte in die USA.

Die USA sind der zweitwichtigste Exportmarkt für österreichischen Wein. Das Exportvolumen beträgt 3 bis 3,5 Millionen Liter, der Exportwert rund 20 Millionen Euro. „Die es als erste trifft, sind Gastronomen aus den USA, die ihre Weinkarten zu 70 Prozent mit europäischer Ware bestücken", sagt Muhr. Sie wittert aber auch neue Chancen, die sie etwa bei einer Brasilienreise Mitte März erkannt hat. Im größten lateinamerikanischen Land wird erwartet, dass nun die großen Weinexportnationen Argentinien und Chile sich verstärkt den USA zuwenden - und damit Raum für die europäischen Produkte entsteht.

Generell könne ein „Weinzoll-Handelskrieg" aber auch dazu führen, dass die seit Jahrzehnten unter Überproduktion leidende weltweite Weinindustrie „auf gesunde Beine" gestellt werde, meint Muhr. Wer agil ist und Marktchancen erkennt, kann sogar profitieren.

Dass Trumps Handelskrieger europäischen Wein auf die Zoll-Liste gesetzt haben, habe damit zu tun, „dass Wein keine Lobby hat", merkt Muhr kritisch an. Als Vergeltungsmaßnahme den Import amerikanischer Weine zu verteuern, hält sie jedoch für nicht sinnvoll: „Deren Exportanteil ist minimal, das ist kein Druckmittel."

Fazit: Der Aprilscherz ist gelungen, und wenn alles gut geht, bleibt er auch nicht im Hals stecken.

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