Trend Logo

DIW-Studie: Handelskrieg kann EU-Exporte in USA langfristig halbieren

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Einbußen könnten durch mehr Handel mit Kanada, Mexiko und anderen Ländern ausgeglichen werden
©APA/APA (dpa)/MAURIZIO GAMBARINI
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Ein Handelskrieg kann einer Studie zufolge die Exporte aus der Europäischen Union (EU) in die USA drastisch reduzieren. Ein von den Vereinigten Staaten eingeführter pauschaler Zollsatz von 25 Prozent auf EU-Importe mit entsprechenden Gegenmaßnahmen würde die Ausfuhren dorthin langfristig um die Hälfte verringern, heißt es in der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

von

Zugleich könnte die EU-Produktion in Schlüsselbranchen wie Pharma (-9,3 Prozent), Transportausrüstung (-7,7 Prozent), Kraftfahrzeuge (-4,1 Prozent) und Elektronik (-2,3 Prozent) sinken, ergeben die Simulationen der Berliner Forscherinnen und Forscher. In diesem Szenario sinkt das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU im Durchschnitt über alle Mitgliedstaaten hinweg um 0,25 Prozent. Die Exportnation Deutschland wäre demnach besonders betroffen: Hier könnte das BIP um etwa 0,33 Prozent schrumpfen.

"Die EU könnte jedoch die möglichen Verluste durch die angedrohten Zölle der USA ausgleichen", heißt es in der Studie von DIW-Expertin Sonali Chowdhry. Dazu müssten die Beziehungen mit Freihandelspartnern wie Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea und Vietnam vertieft werden. Dies würde den Abbau von Handelshemmnissen durch vereinfachte Zollverfahren, verbesserte Verkehrsinfrastruktur oder stärkere Zusammenarbeit in Regulierungsfragen beinhalten. "Simulationen zeigen, dass ein solcher Ansatz nicht nur den wirtschaftlichen Schaden eines Zollkonflikts mit den USA neutralisieren, sondern auch langfristig zu spürbaren BIP-Gewinnen in allen EU-Mitgliedstaaten führen würde", erklärte Chowdhry.

Dazu bedürfe es auch eines "De-Risking" - die Abhängigkeit von der US-Nachfrage müsste also verringert werden. Die Exporte dorthin hingen in hohem Maße von einer kleinen Zahl von Unternehmen und guten Geschäftsbeziehungen ab, was die EU besonders anfällig für gezielte Handelsmaßnahmen mache. In Deutschland entfallen demnach allein ein Fünftel der maritimen Exporte in die USA auf die zehn wichtigsten Geschäftsbeziehungen zwischen EU-Exporteuren und US-Importeuren. Auch spiele der unternehmensinterne Handel eine entscheidende Rolle: Ein Viertel der Autoexporte aus Deutschland in die USA spielt sich demnach zwischen Tochterunternehmen gemeinsamer Eigentümer ab.

"In solchen Konstellationen kann die Störung weniger zentraler Beziehungen überproportional hohe wirtschaftliche Kosten verursachen", warnt das DIW. "Um diese Risiken zu mindern, sollte die EU gezielte Diversifizierungsmaßnahmen vorantreiben." Diese könnten vom Abbau interner Handelshemmnisse über die Unterstützung von Unternehmen beim Zugang zu neuen Märkten bis hin zur besseren Nutzung bestehender Handelsabkommen und der Erweiterung des Netzwerks an Handelspartnerschaften reichen. Eine solche Strategie würde das Wachstum und die Resilienz der EU langfristig stärken - unabhängig von künftigen Veränderungen der US-Handelspolitik, erläuterte das DIW.

HAMBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA (dpa)/MAURIZIO GAMBARINI

GERMANY OUT

Über die Autoren

Logo
Jetzt trend. ab € 14,60 im Monat abonnieren!
Ähnliche Artikel