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Trumps Zölle: Deutschland zittert, Europas Stahlindustrie warnt

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Die deutschen Exporte in die USA sind auf eine neue Rekordhöhe gestiegen.©PX Media/Shutterstock
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Der deutsche Handelsüberschuss mit den USA schwoll 2024 auf 70 Milliarden Euro an – die ideale Kulisse für Donald Trumps Zolldrohungen. Der europäische Stahlindustrie-Verband befürchtet die Umleitung von Handelsströmen.

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Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss im Außenhandel mit den Vereinigten Staaten eingefahren. Die deutschen Warenexporte in die weltgrößte Volkswirtschaft übertrafen die Importe von dort um rund 70 Mrd. Euro. Das geht aus einer Auswertung der Nachrichtenagentur Reuters auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts hervor. Damit wurde der erst aus dem Jahr 2023 stammende bisherige Rekord-Exportüberschuss von gut 63,3 Mrd. Euro deutlich übertroffen.

Damit setzt sich eine Serie fort: Schon seit 2017 weist Deutschlands Handel mit den USA so hohe Exportüberschüsse aus wie mit keinem anderen Land. US-Präsident Donald Trump sieht die Vereinigten Staaten durch Länder mit hohen Überschüssen ausgenutzt und hat bereits hohe Zölle auf Waren etwa aus Mexiko und Kanada angedroht. Die Nachricht von Deutschlands Rekordüberschuss kommt daher zur Unzeit, sagen Experten. „Ein schlechteres Timing kann man sich kaum vorstellen", sagt Holger Görg vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).

Mehr Exporte, weniger Importe

Während die deutschen Lieferungen in die weltgrößte Volkswirtschaft 2024 um 2,2 Prozent auf den Rekordwert von 161,3 Mrd. Euro wuchsen, sind die deutschen Einfuhren von dort um 3,4 Prozent auf 91,4 Mrd. Euro gefallen. „Schön wäre es, Trump gegenüber argumentieren zu können, dass die Importe aus den USA gestiegen sind, die Exporte aber ein bisschen mehr", sagt Görg, der das Kiel Centre for Globalization leitet. „Dem ist aber nicht so."

Vor dem Hintergrund eines Ungleichgewichts im Warenhandel hat der US-Präsident ab 4. März auch Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Importe von Stahl und Aluminium in die USA angekündigt. Der europäische Stahlindustrieverband Eurofer befürchtet nun, dass die US-Maßnahme signifikante Handelsströme in die EU umlenkt. „Im Jahr 2024 importierten die USA etwa 23 Mio. Tonnen Stahlprodukte aus Drittländern außerhalb der EU", erklärt Eurofer-Präsident Henrik Adam. „Diese Volumina könnten nun massiv auf den europäischen Markt umgelenkt werden."

Experten sind skeptisch, ob sich die Situation durch Zölle großartig ändern lässt. „Das Handelsdefizit der USA spiegelt ja auch eine mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit wider, die durch Zölle nicht gelöst wird", sagt IfW-Experte Görg. „Ganz im Gegenteil würde ich davon ausgehen, dass dadurch die Exportleistung der USA negativ beeinflusst wird." Ganz anders sieht es im Dienstleistungshandel aus. Hier hätten die USA "einen starken Exportüberschuss, auch in die EU und nach Deutschland", so Görg: „Das wird auch in Zukunft so bleiben. Und das sollte Herr Trump mit in die Rechnung aufnehmen."

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